Unser Programm

1. Einleitung

Amöneburg steht vor großen Herausforderungen: Energie- und Wärmewende,
Anpassung an den Klimawandel, demographischer Wandel und der Sicherung der
Lebensqualität in allen Stadtteilen. Dies alles vor dem Hintergrund knapper
finanzieller Mittel und einer Reihe an teuren Pflichtaufgaben, die erfüllt werden
müssen.
Wir Grünen wollen diese Aufgaben Vernunft, Verantwortungsbewusstsein und Mut
angehen – gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern.

2. Energie und Klimaschutz

Die kommunale Klimapolitik muss greifbar werden – dies betrifft vor allem die
Bezahlbarkeit von Heizung und Strom sowie CO₂-Reduktion.

Allein für die Wärmeversorgung und Warmwasserbereitung fallen 70% des CO₂-
Fußabdrucks fürs Wohnen an. Damit ist die Wärmewende ist der entscheidende
Hebel, um unsere Stadt klimaneutral zu machen und Kostenstabilität zu erzielen!
Die Preise fossiler Energieträger wie Öl und Gas werden wegen steigender CO₂-
Bepreisung unabhängig von Marktschwankungen voraussichtlich ansteigen – und
damit direkt die Nebenkosten fürs Wohnen erhöhen. Die Lösung sind individuelle
Wärmepumpen oder die Versorgung mit Nahwärme aus regenerativen
Energiequellen.

In den Ortsteilen Erfurtshausen und Mardorf gibt es bereits Nahwärmeversorgung –
in Rüdigheim wird gerade eine Solarthermieanlage errichtet, um einen Großteil der
Häuser mit günstiger und preisstabiler Wärme zu versorgen – dies sind
funktionierende Vorbilder, auf die man aufbauen kann.

Für die Stadtteile Amöneburg und Roßdorf müssen individuell realisierbare Lösungen
erarbeitet werden. Zudem muss es mehr Tempo beim Umbau geben – wenn von der
Idee bis zum ersten Spatenstich 10 Jahre vergehen, ist dies deutlich zu lange.
Zudem besteht die Frage, wie bestehende Energiegenossenschaften bei Vakanzen
in Vorstand und Organisation unterstützt werden können und müssen – dies natürlich
nur auf Signal der Genossenschaften. Mitgedacht sollte diese Möglichkeit auf jeden
Fall.

Laut Integriertem Klimaschutzkonzept (IKK 2021) soll Amöneburg den Umstieg auf
CO₂-arme Heizsysteme und Nahwärme-Netze aktiv unterstützen.
Unsere Vision ist, dass Amöneburg bis 2035 unabhängig von fossilen Energien ist
und wirtschaftlich profitabel wird.

Wir wollen:

• Die Klimamanagerinnen der Ostkreiskommunen erhalten auf Amöneburg
bezogen die klare Priorität Nahwärme-Initiativen und Wärmewende zu fördern
sowie diese bei der Organisation, Verwaltung und Antragsstellung zu
unterstützen.
• Ausbau der Windenergie auf der Mardorfer Kuppe unter Berücksichtigung der
Widerstände, ggf. auch mit einem anderen Projektierer als Juwi. Die Stadt
selbst sowie Bürgerinnen und Bürger sollen hier investieren können, um die
Grundlage für kostengünstigen Strom zu legen. Private Haushalte können so
Preisstabilität erzielen und in regenerative Energie investieren.
• Eingehen einer starken Partnerschaft, z.B. Vogelsberger
Energiegenossenschaft e.G. oder Energiegenossenschaft Marburg-
Biedenkopf
• Stärkung der kommunalen Vorbildfunktion z.B. durch Umstellung aller
städtischen Gebäude auf erneuerbare Energien
• Solaroffensive Amöneburg: Nutzung kommunaler Dachflächen und Initiativen
für Bürger-Solarprojekte
• Fortsetzung der Energieeffizienzberatung durch die Klimaschutzmanagerinnen

3. Natur und Umwelt

Amöneburg ist durch seine einzigartige Lage und Landschaft ein ökologisches
Kleinod. Diese Vielfalt gilt es zu bewahren und zu stärken.
Wir wollen:
• Förderung der Artenvielfalt (Blühflächen, Heckenpflanzungen,
Streuobstwiesen) auf kommunalen Flächen im Siedlungs- und Außen-Bereich.
Hierfür bietet sich ein Beitritt zum kommunalen Netzwerk „Bündnis für
biologische Vielfalt e.V. an.
• Nachhaltige Bewirtschaftung der städtischen Waldanteile
• Stärkere ökologische Orientierung bei der Pflege von öffentlichen
Grünflächen, Hecken und Bäumen
• Schutz und Vernetzung von Biotopen
• Einrichtung eines Natur- und Kulturregisters, um alles Bewahrenswerte zu
erhalten

4. Amöneburg bewegt sich – sicher, klimafreundlich und gemeinsam

Das individuelle Auto bleibt bis auf weiteres das Rückgrat der Mobilität im ländlichen
Raum. Das gilt auch für unsere Stadt. Eine Zusammenarbeit mit Carsharing-
Dienstleistern ist bislang mangels Auftragsvolumen nicht zustande gekommen. Auf
Basis des Radverkehrskonzeptes der Stadt Amöneburg wollen wir das Fahrrad zu
einem weiteren starken Mobilitätsträger entwickeln.
Der ÖPNV fristet ein Nischendasein und wird von all denjenigen gemieden, die nicht
zwingend darauf angewiesen sind. Die Frequenz ist nicht hoch genug, der
Streckenverlauf z.B. für auf den Lahnbergen Arbeitende nicht dienlich. Hier müssen
intelligente Systeme eingeführt werden. Stichworte hierbei sind Rufbus (telefonisch
oder per App), kleinere Busse bei höherer Frequenz sowie günstigere Preise. Die
Mitgliedschaft Amöneburgs beim Regionalen Nahverkehrsverband sollte die
Kommune entsprechend nutzen und – auch in Abstimmung mit anderen, ähnlich
strukturierten Kommunen – unsere Forderungen benennen.

Wir wollen:

• Umsetzung des Radewegekonzepts (2022) um Anreize zu schaffen, das
Fahrrad für den Alltags- und Berufsverkehr zu nutzen
• Freizeit und Tourismus: Kommunaler Rundweg („Amöneburg-Runde“) mit
Verknüpfung aller Stadtteile
• ÖPNV verbessern: Routenführung, Preisgestaltung, Frequenz
• Erhalt und Stärkung des Bürgerbus
• Ortsdurchfahrten: Sicherheit und Lärmschutz durch Tempo 30 im gesamten
Stadtgebiet

5. Wasserversorgung und Klimaanpassung

Auf Basis des städtischen Gutachtens von Prof. Peter Chifflard (2022) erkennen wir
den Klimawandel als reale Bedrohung der Wasserversorgung.
Ziel ist eine nachhaltige und gesicherte Trink- und Brauchwasserversorgung.
Wir wollen:
• Speicherung von Winter-Niederschlägen (Zisternen, Rückhaltebecken)
• Wiedervernässung geeigneter Flächen zur Grundwasseranreicherung
• Unterstützung der Landwirtschaft, Feuerwehr und Sportvereinen
(Fußballplätze) bei der Entwicklung von regionalen Speicherlösungen
• Optimierung bestehender Hochwasserschutzmaßnahmen

6. Bildung und Betreuung, Jung und Alt

Eine bedeutende kommunale Pflichtaufgabe ist die Kinderbetreuung. Im Auftrag der
Stadt betreibt die Katholische Kirche drei Kindergärten im Stadtgebiet. Hiervon
befindet sich einer in baulich kritischem Zustand (Amöneburg-Kernstadt), da seit 50
Jahren nicht investiert worden ist. Die vorliegenden Eigentümerstrukturen sind
kompliziert und unterschiedlich, was sich als Hemmschuh für Modernisierungen und
Investitionen erweist. Zudem möchte sich die Katholische Kirche sukzessive aus der
Betreiberrolle zurückziehen. Daher wird es absehbar notwendig, diese Fragen
frühzeitig anzugehen, denn die Lösungsmöglichkeiten (Neu-/Umbau, Kauf von
Liegenschaften etc.) benötigen üblicherweise Jahre an Vorlauf.
Hierfür muss ein Kindergartenbetriebskonzept erarbeitet werden, das Aspekte von
Eigentümerschaft an Grund und Boden, Immobilien, deren Modernisierung wie auch
in den Trägerschaft in den Blick nimmt.
Für Heranwachsende gibt es jenseits der Vereine nur wenige Freizeitangebote – hier
muss kraftvoll gegengesteuert werden mit der Einrichtung einer Stadtjugendpflege.
Diese soll eigenverantwortlich Heranwachsende ansprechen,
Veranstaltungsprogramme erarbeiten und Zusammenhalt untereinander fördern.
Seniorinnen und Senioren können bereits vielfältige Angebote wahrnehmen – vom
gemeinsamen Mittagstisch bis zur Tagespflege AurA. Der Bürgerverein spielt bei
vielen Angeboten eine herausragende Rolle; dieser soll gestärkt werden, wo immer
sich Bedarf hierzu ergibt.

Wir wollen

• Aufstellen eines „Kindergartenplans 2035“ – wohin wollen wir mit der
Betreuung in den nächsten 10 Jahren? Wie muss dies finanziell hinterlegt
werden?
• Verstetigung der Kinderbetreuungsangebote mit fairer Kostenstaffelung nach
Einkommensgruppen
• Ökologische und nachhaltige Bildungsangebote in Schulen und Kitas
(Naturerlebnis, Umweltbildung, Abfallvermeidung); Prüfung des Bedarfs für
einen Waldkindergarten
• Einrichtung einer Stadtjugendpflege mit Angeboten für die verschiedenen
Altersklassen
• Förderung von Kooperationen zwischen Generationen („Alt trifft Jung“)

7. Planen, Bauen, Wohnen

Die Amöneburger Bevölkerung ist gemessen am Kreisdurchschnitt
überdurchschnittlich alt. Ein Grund dafür ist, dass es für junge Erwachsene zu wenig
bezahlbaren Mietwohnraum gibt.

Wir unterstützen die Schaffung von Mietwohnraum und die Stärkung der Ortskerne.
Amöneburg ist bei grundlegenden kommunalen Pflichtaufgaben ins Hintertreffen
geraten: Kläranlagen müssen neu gebaut, Feuerwehrhäuser saniert oder neu gebaut
werden, mittelfristig könnten ein oder mehrere Kindergartenneubauten nötig werden.

Bei Fehlplanungen hat jedes einzelne Projekt das Potenzial, den Haushalt
Amöneburgs zu überfordern.

Wir wollen:

• Vorrang für die Nutzung bestehender Bausubstanz (Altortslagen)
• Prüfung einer differenzierten Besteuerung unbebauter Baugrundstücke
(Grundsteuer C)
• Berücksichtigung von Mietwohnungsbau, Quartierskonzepten und
Mehrgenerationenprojekten
• Fortführung eines Leerstandskatasters und Beratung für Eigentümer
• Keine Ausweisung neuer Baugebiete ohne Bedarf und Nachhaltigkeitsprüfung
• Ökologische Bebauungsplanung für Neubauten (Photovoltaik,
Regenwassernutzung)
• Eine fachlich fundierte Bauleitung bei städtischen Projekten, um die
Kosteneffizienz zu gewährleisten

8. Startups als Zukunft für Amöneburg

Amöneburg ist strukturschwach, verfügt aber über attraktive, leerstehende Flächen
und modernes Glasfaser-Internet. In Zusammenhang mit einer hohen Lebensqualität
durch die einzigartige Natur macht das Amöneburg zu einem idealen Standort für
zukunftsorientierte Startups und Unternehmen.
Unsere Vision ist es, durch die Ansiedlung innovativer, nachhaltiger Dienstleistungen
langfristig die regionale Wirtschaft zu stärken, hochwertige Arbeitsplätze zu schaffen
und Amöneburg als modernen, attraktiven Standort für Talente und Investitionen zu
positionieren.

Wir wollen:

• Bereitstellung von Gewerbeflächen mit digitaler Infrastruktur in der
vorhandenen Bausubstanz
• Netzwerk mit Universität Marburg und dem Pharmastandort schaffen
• Nutzung von in der Universität, in der Wirtschaftsförderung des Kreises und
des Landes Hessens vorhandener Expertise zu Fördermitteln und
Existenzgründung
• Lernen von vergleichbaren Kleinstädten für Innovationen auf dem Land

9. Finanzen und Verwaltung

Die Stadt Amöneburg befindet sich in einer angespannten Haushaltslage, an der sich
in der nächsten Wahlperiode nichts ändern wird. Zusätzliche freiwillige Leistungen
können wir uns derzeit nicht erlauben. Investitionen müssen zielgenau gesteuert
werden.

Wir wollen:

• Transparente Priorisierung von Investitionsvorhaben (Kläranlagen,
Feuerwehrhäuser, Kindergärten)
• Projektsteuerung durch geschultes Personal und ggf. externe Fachberatung
• Nachhaltige Haushaltsführung mit klaren Prioritäten, z.B. keine freiwilligen
Leistungen, die über Schulden finanziert werden
• Lernen von vergleichbaren Kommunen: was machen andere besser?

10. Schlusswort

Unser Ziel: ein klimaneutrales und lebenswertes, Amöneburg für Jung und Alt.
Gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern wollen wir die Zukunft gestalten –
ökologisch, sozial und gerecht.